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Klara ist von Leonhard schwanger geworden, und das ist der
Beginn einer Kettenreaktion, die eine ganze kleine Welt vernichtet:
Friedrich, Klaras echte Liebe aus Jugendtagen, wendet sich von
der Schwangeren ab, der Emporkömmling Leonhard lässt
sie im Stich, als ihr schwieriger Bruder Karl des Diebstahls
bezichtigt wird, und die Mutter erleidet wegen Karl einen Herzinfarkt.
Friedrich fordert Leonhard schließlich zum Duell, doch
schwerer als alles andere lastet des Vaters unerbittlicher Hader
um Sitte, Ehre und Anstand auf der Familie. Klara gerät
dermaßen unter Druck, dass sie keinen Ausweg mehr sieht.
Wiewohl MARIA MAGDALENA, geschrieben
1843, heute als Ausgangspunkt des modernen, realistischen bürgerlichen
Trauerspiels gilt, eröffnet Hebbel sein Drama mit einem
Bild von ungeheurem Symbolismus: Die schwerkranke Mutter fühlt
sich besser, legt im Beisein ihrer schwangeren Tochter ihr Brautkleid
an, um damit zur Messe zu gehen und ergeht sich dabei in dunklen
Andeutungen über Ehe, Familie, Leiden, Tod und Erlösung.
Die doppelte Zeichenhaftigkeit von Braut- und Totenkleid, von
Lebensbeginn und Lebensende hat große historische Tiefe
und verleiht dem Stück von Beginn an jene unheilvolle Atmosphäre,
in der sich grundsätzlich positive Lebensimpulse unversehens
in vernichtende Konflikte verwandeln. Hebbels Ziel allerdings
war nicht zu zeigen, dass das naturgemäß so zu sein
hat, sondern dass diese bedrückenden Verhältnisse
einer neuen Phase gesellschaftlicher Entwicklung zu weichen
hätten. Der Titel des Werkes, eine direkte Anspielung auf
die neutestamentarische Sünderin, der Christus vergeben
hatte, ist in diesem Sinn als Aufruf zu neuer geistiger Freiheit
zu verstehen. Bezeichnend auch das Schlussbild:
Ich verstehe die Welt nicht mehr , sagt
Meister Anton, dessen erbarmungslose, überkommene Moralvorstellungen
die Familie in die Katastrophe geführt haben.
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