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ZUR SCHÖNEN AUSSICHT ist
der Name eines heruntergekommenen Hotels im Alpenvorland, in
dem niemand ist, was er scheint. Strasser, angeblicher Offizier
und ehemaliger Schauspieler, mimt den Hoteldirektor, Kellner
Max ist eigentlich "Kunstgewerbler" und Chauffeur
Karl hat mindestens ein Leiche im Keller. Sektvertreter Müller,
der vergeblich Geld einzutreiben versucht, wird hier umgehend
zum Generaldirektor geadelt, Emanuel Freiherr von Stetten, "ein
zierlicher Lebegreis mit Trauerflor", hat außer seinem
Adelstitel alles Kapital verspielt, und der einzige zahlende
Gast, Emanuels Schwester Ada Freifrau von Stetten, ist eine
abgetakelte Halbweltdiva, die mit den Angestellten sehr intimen
Umgang pflegt. Ein Tummelplatz heruntergekommener Existenzen
der Lebewelt, Unterschlupf einer abgewirtschafteten Aristokratie,
von Lüge, Betrug und Gemeinheit gezeichnet und von Horváth
nach realen Vorbildern geschaffen.
In diese Herberge der verkrachten Existenzen kommt die junge
Christine und konfrontiert Strasser mit den Folgen ihrer Vorjahresliaison:
einem Kind. Sie will nun seine Frau und Hoteldirektorin werden,
so fürchtet er. Mit beispiellosem Zynismus kommen Strassers
Freunde ihm zu Hilfe: Jeder behauptet, mit der jungen Frau etwas
gehabt zu haben, um sie rasch wieder loszuwerden. Diese Taktik
wird jedoch sofort fallengelassen, als sich herausstellt, dass
Christine geerbt hat: Zehntausend Mark... Mit seinem untrüglichen
Instinkt für menschliche Anmaßung und Niedertracht
und seinem Spürsinn für die Komik, die im Bestreben
der Menschen liegt, jene Eigenschaften zu verbergen, zeichnet
Horváth diese böse Komödie. Sie gehört
zu den wenigen Theaterstücken, die mit einer ganz einfachen
Geschichte das über sich selbst hinausweisende Bild einer
ganzen Gesellschaft entwerfen.
Christian Himmelbauers Inszenierung spürt auch jener dunklen
Seite Horváthscher Phantasie nach, die seinen Werken
neben der sprach- und gesellschaftskritischen Dimension die
albtraumartige, geisterhafte und absurde Komponente gibt. Zwar
trägt ZUR SCHÖNEN AUSSICHT
den Untertitel "Komödie", in manchen Momenten
ist das Stück aber um nichts weniger "Totentanz"
als das so bezeichnete "Glaube Liebe Hoffnung".
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