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Der grenzenlose
Zynismus der Werbebranche ist das Thema von Frédéric
Beigbeders 2001 erschienenem Roman 39,90. Er löste damit
heftige Debatten aus und das Buch kletterte in den Bestsellerlisten
schnell auf die vordersten Plätze. Christian Himmelbauer
hat sich den heißen Stoff nun vorgenommen und in seiner
Bearbeitung für die Bühne wird 39,90
in Bregenz zu sehen sein.
Im Klappentext der deutschen Buchausgabe steht: "Genial,
ein Buch nach seinem Preis zu benennen." (im französischen
Original: "99 Francs", heute: "19.-€")
- und in diesem Fall paßt es wie die Faust aufs Auge: Es
geht um die Werbebranche. Beigbeder arbeitete bei Young &
Rubicam, eine der größten internationalen Werbeagenturen
und wurde von Michel Houellebecq (der sich mit "Elementarteilchen"
in die Bestsellerlisten katapultierte) angeregt, einen Roman darüber
zu schreiben, was sich hinter den Kulissen der Werbebranche abspielt.
Beigbeder machte sich an die Arbeit - und zwar in der Absicht,
gekündigt zu werden, was prompt funktionierte, da er sich
- abgesehen von seiner schonungslosen Kritik - kaum Mühe
machte, echte Namen und Auftraggeber zu verschleiern. Young
& Rubicam kündigte Beigbeder kurz nach Erscheinen des
Buches den Job. Begründung: "Schweres Fehlverhalten".
Der Weg durch die Werbeindustrie führt, wie 39,90
zeigt, durch die Hölle und lässt ausgebrannte Zyniker
oder Selbstmörder zurück. Kompromisslos wie Michel
Houellebecq führt Beigbeder die Menschenspezies nach dem
Ende des Humanismus vor Augen: Sein alter ego Octave ist Top-
Werbetexter und arbeitet zusammen mit Charlie, der sich zur
Entspannung die größten Perversitäten des Internets
herunterlädt, an einer riesigen Werbekampagne für
den neuen Diätjoghurt von "Madone" (gemeint ist
der französische Lebensmittelhersteller "Danone").
Octave ist ein prinzipienloses "Chamäleon auf Kokain"
und greift, nachdem ihn seine schwangere Freundin verlassen
hat, nur noch auf die professionellen Dienstleistungen des Callgirls
Tamara zurück - und macht sie nebenbei zum Star des in
Miami gedrehten "Madone"-Werbespots. Das ganze endet
in einer wahnwitzigen Spirale, denn Octave, Charlie und Tamara
nehmen schließlich blutige Rache ...
Eine wütendes und provozierendes Buch über die "Maschine"
hinter der Werbung, über eine Welt, in der neben Selbst-Beweihräucherung
und Selbstverleugnung im Hinblick auf die eigene Verantwortung
nur noch Marketing und Gewinn zählen.
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