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DIE ZIEGE ODER WER IST SYLVIA?
"Anmerkungen zu einer Definition des Tragischen"
von Edward Albee
Ein Gespräch zwischen Dramaturg Andreas Hutter und Regisseurin Barbara Herold zu ihrer Albee-Inszenierung am Vorarlberger Landestheater.
AH: Edward Albee, der große alte Mann der amerikanischen Dramatik, hat mit seinem letzten Stück die amerikanischen Kritiker begeistert. Der Tenor: "Meistens ist es ja sehr witzig, doch DIE ZIEGE ist ein ernstes, tiefes, ja sogar tragisches Stück." (Associated Press). Albee gibt seinem Stück den Untertitel "Anmerkungen zu einer Definition des Tragischen". Wie ist das zu verstehen?
BH: Dazu muss erst einmal etwas zu den Grundvoraussetzungen gesagt werden: in die Normalität einer überprivilegierten Familie tritt mit archaischer Wucht ein Ereignis ein. Der Ehemann und Vater verliebt sich - in eine Ziege. Da es sich um eine Beziehung an den Grenzen der moralischen Vorstellung handelt, löst diese Affäre eine Zimmerschlacht von tragischer Dimension aus, an deren Ende das bisher funktionierende System der Familie, der Werte, der Norm vollkommen auf den Kopf gestellt wird. Und jetzt zu Deiner Frage: Um eine moderne Tragödie, eine solch existentielle Auseinandersetzung zwischen sich liebenden Eheleuten überhaupt zeigen zu können, muss es ein Ereignis jenseits der Vorstellungskraft sein. Nur die Ziege, der Sündenbock, auf dessen Rücken der ‚Mangel’ abgeladen wird, kann die verborgenen Risse, Wunden aufdecken.
AH: Muss es denn gleich eine Ziege sein? Warum ist "Sylvia" nicht einfach eine menschliche Geliebte?
BH: Natürlich ist das kein Stück über Sodomie oder Zoophilie, sondern es ist ein Stück über die Liebe, über das Ereignis Liebe, das Rätsel der Liebe, die Folgen. Und über die Qual des Liebesverlustes. Aber der Anlass ist so groß, so absurd gewählt, weil eben ein normaler Fehltritt oder eine konventionelle Grenzüberschreitung heute – in einer anormalen Welt, in der alles akzeptiert wird – nicht mehr Gegenstand einer Tragödie sein kann. Welche normale Affäre eines erfolgreichen Mannes in einer glücklichen, liberalen Ehe kann ein solches Desaster auslösen? Es gibt kein Zurück, keine Lösung mehr, keine Fortsetzung der Beziehung. Was Albee uns eigentlich zeigt, ist das "Implodieren der Familie", der bisher glücklichen Beziehung, das Auseinanderbrechen eines geschlossenen, funktionierenden Systems. Und da dieses System bisher haltbar, intakt war, muss das Ereignis von unvorstellbarer Größe sein.
AH: Das ist sicher richtig in Bezug auf die Art und Weise, wie das Stück konstruiert ist, also was das Zusammenspiel aller Faktoren betrifft. Aber wie hat man sich das für die Figur dieses Mannes im Stück, "Martin Gray", vorzustellen? Albee zeichnet da ja ganz realistisch einen erfolgreichen Architekten. Wie kommt so einer zu diesem Extrem?
BH: Beabsichtigt ist eine Kritik an unserer privilegierten, saturierten, überbefriedigten, liberalen, toleranten, kultivierten Gesellschaft, die alles hat, der aber vielleicht etwas fehlt, von dem keiner mehr weiß, was es ist. Insofern ist es ein Stück über den Mangel und das Vermissen. Es gibt unsichtbare, nicht wahrnehmbare Bedürfnisse, von denen wir in unserer Übersättigtheit, Aufgeklärtheit und Überliberalität keine Ahnung mehr haben. Martin verliebt sich also in seine Ziege Sylvia, weil er etwas spürt, erlebt, was er bisher noch nicht gekannt hat, was jenseits aller bisherigen Emotionen ist. Er ist berührt von der Unschuld der Kreatur und entdeckt möglicherweise auch eine neue Triebhaftigkeit, die für ihn Liebe bedeutet. Letzten Endes spielt das aber keine Rolle, er könnte sich auch in ein Toastbrot verlieben. Entscheidend für das Stück sind die Größe des absurden Ereignisses, die unbekannte neue Qualität seiner Gefühle und die moralische Verwerflichkeit.
AH: Das ist ein interessanter Punkt: Albee reizt hier tatsächlich unseren moralischen Widerspruch bis aufs Äußerste. Was für eine Funktion hat das hier?
BH: Ich finde, das liegt auf der Hand. Die Tatsache, dass eine Ziege den Ehebruch auslöst, bedeutet Gesellschaftskritik auf einer weiteren Ebene: Hier stößt die liberale Gesellschaft an ihre Grenzen der Toleranz und der moralischen Vorstellungen. Das betrifft natürlich die Familienmitglieder Stevie und Billy. Für sie bedeutet es den Zusammensturz aller Werte, jedes Vertrauens, aller Kommunikation. Kein Stein bleibt auf dem anderen, nichts stimmt mehr. Das betrifft Martins Freund, den Journalisten Ross, der die Schockiertheit der oft verlogenen Öffentlichkeit vertritt. Und das betrifft - und jetzt wird es spannend - natürlich die Zuschauer, also die Gesellschaft vor Ort, uns: auch unsere Toleranzschwelle wird ausgetestet und die Frage gestellt, wie weit unsere Liberalität wohl gehen mag. Dass er damit gleichzeitig das Publikum provoziert, ihm viel abverlangt und ein bisher nicht mehr gewohntes Erschrecken und Mitleiden hervorruft, ist der doppelte Treffer in Albees anvisiertes Ziel.
AH: Du meinst ein "Erschrecken und Mitleiden" im Sinn der klassischen griechischen Tragödie?
BH: Ja. Auf Grund des Untertitels wissen wir ja, dass Albee eine Tragödie schreiben wollte, eine moderne, heutige Tragödie. In der Familie Gray ringen die Mitglieder mit- und umeinander, sie durchleben immensen Schmerz und entsetzliche Tiefen. Der tragische Held am höchsten Punkt seines Erfolges, am Gipfel seines Lebens erlebt den größten Absturz. Die Titelheldin stirbt. Das Publikum soll – eben wie bei einer Tragödie – mitleiden, es erlebt Anteilnahme, Erkennen und Identifikation. Jede Figur hat Gelegenheit, ihren Standpunkt miterlebbar zu machen, rührt an, und daher musste ein Motiv im Mittelpunkt sein, dass jegliche Norm sprengt: die Ziege.
Aber mal ganz abgesehn von der ganzen Tragödien-Theorie: Albee war und ist auch Vertreter eines Theaters, welches das Traditionelle mit der Avantgarde verbindet, sprich Realismus mit Surrealem und mit Absurdem. Das bedeutet auch, dass Albees Stücke sich nicht unbedingt immer mit realistischer Logik begreifen lassen. Es gibt bewusst Leerstellen oder Doppelbödigkeiten, die uns auf einer unbewussten Ebene erreichen. Und - das ist ganz entscheidend - zu guter Letzt kommt gottseidank noch eine wunderbare Ebene dazu, nämlich der Humor, der Witz, weil der Anlass so grotesk komisch ist, die Situation so absurd. Vieles wirkt lächerlich, zum Lachen anregend.
AH: Hat Albee hier nicht ein bißchen zu viel gewollt? Provokation, Verunsicherung, tragischer Schock - und dann auch noch lustig?
BH: Nein, im Gegenteil. Diese Darstellung einer Tragödie mit den Mitteln einer Komödie (als da wären Stil, Situationskomik, Witz, Dialogführung, pointierte Aktionen) ist für mich der Beweis, dass Albee sein Stück nicht hochernst, tiefenpsycholgisch schürfend, heilig verstanden wissen will, sondern dass er sich auch einen Spaß damit gemacht hat, daß ein Augenzwinkern dabei ist. Die Tragödie wird hier meisterhaft durch die Elemente der Komödie, des Grotesken, gebrochen. Es gelingt ihm damit, die Zuschauer zu verunsichern, denn sie können das Gesehene nicht einordnen. Sollen sie geschockt sein oder amüsiert? Darf man zwischen beiden Polen schwanken? Das ernste Thema wird komisch, das Tragische zum Lachen. Das Komische wird auch wiederum existentiell ernst und das ist für mich das Wunderbare an diesem Stück: Der Zuschauer muss mitarbeiten, er muss sich regelrecht anstrengen, seine Haltung gegenüber dem, was er sieht, zu bestimmen, sich einzurichten. Die Kommunikation ist gestört, weil Inhalt und Form divergieren oder zumindest nicht immer übereinstimmen. Wie kann das Lachen da erlaubt sein? Nehme ich die Handlung als real an, kann ich nicht lachen, weil die Liebe zu einer Ziege außerhalb der Norm liegt. Akzeptiere ich die Handlung als Konstruktion, die auch auf Übergeordnetes schließen lässt, stört möglicherweise die existentielle, "tödliche“ Auseinandersetzung. Das Widersprüchliche, Doppelbödige ist der Trick, der den Zuschauer irritieren, provozieren und im Ungewissen lassen soll. Er muss damit umgehen – es wird ihm keine Auflösung, wie er das Stück begreifen soll, angeboten.
Und das ist eben großes Theater - genau diese Ratlosigkeit, dies Suchen nach einer eindeutigen "message" finde ich das Reizvolle an dem Stück. Kein fester Boden, kein souveränes ‚Aha!’, sondern viele Zuschauer, viele Interpretationen, viele Meinungen sind das Ziel.
AH: Danke für das Gespräch
TRAGÖDIE
Die Tragödie ist eine Form des Dramas, die aus dem antiken Griechenland stammt. Das Wort "Tragödie" kommt aus der griechischen Sprache und bezeichnet einen "Bocksgesang". Es ist jedoch bis heute nicht klar, wie die Tragödie genau entstanden ist und inwiefern sie mit einem "Bocksgesang", oder eventuell auch mit einem Bocksopfer, zusammenhängt. Die Situation der Hauptfigur verschlechtert sich unausweichlich; das Stück endet mit ihrem Tod. Das Scheitern des tragischen Helden ist dabei unausweichlich, seine Ursache liegt in der Konstellation und dem Charakter der Figur. Der Keim der Tragödie ist, dass der Mensch über das ihm zugeteilte Schicksal hinausgehen will.
Hierbei bedeutet "tragisch" aber nicht wie in der Alltagssprache häufig verwendet, dass etwas sehr traurig ist, sondern dass sich jemand in einem unauflösbaren Dilemma befindet und dadurch "schuldlos schuldig" wird, wie zum Beispiel Ödipus, Orest oder Orest.
Aristoteles beschreibt in seiner "Poetik" die Wirkung der Tragödie : Die Zuschauer sollten in der Aufführung Mitleid (eleos) und Furcht (phobos) für den Helden empfinden und in der Anschauung seines tragischen Schicksals eine Reinigung (Katharsis) von eben diesen Gefühlen erleben.
Who Is Silvia?
Who is Silvia? what is she,
That all our swains commend her?
Holy, fair, and wise is she;
The heaven such grace did lend her,
That she might admirèd be.
Is she kind as she is fair?
For beauty lives with kindness.
Love doth to her eyes repair,
To help him of his blindness,
And, being helped, inhabits there.
Then to Silvia let us sing,
That Silvia is excelling;
She excels each mortal thing
Upon the dull earth dwelling:
To her let us garlands bring
William Shakespeare, aus: DIE ZWEI HERREN AUS VERONA
Wer ist Sylvia?
Wer ist Sylvia? Was ist sie,
daß alle unsere Bauernburschen sie lobpreisen?
Heilig, schön und verständig ist sie,
vom Himmel mit solcher Anmut gesegnet,
daß man sie nur bewundern kann.
Ist sie auch so gütig als sie schön ist?
Den Schönheit lebt mit Güte.
Liebe heilt durch ihren Blick
Ihn, der von Blindheit geschlagen,
Und nun, geheilt, lebt er in Liebe.
Lasst uns also zu Sylvia singen,
Sylvia übertrifft alles,
jedes sterbliche Wesen,
das auf der Erde lebt:
Lasst uns ihr Kränze darbringen.
Das Schäferspiel
Das Schäferspiel steht in Tradition der im 3. Jh. V. Chr. (Theokrit) entstandenen Gattungsform der Schäferdichtung. Diese Schäfer-, oder auch Hirtendichtung (1) entwirft ein Bild vom naturverbundenen Dasein bedürfnisloser und friedlicher Schäfer und Hirten in einer anmutigen Landschaft, die seit Vergil "Arcadia“ heißt. Arkadia ist eine auf dem Peleponnes liegende Gebirgslandschaft (bei dem Griechen Theokrit im 2. Jh. V. Chr. War dieser Ort Sizilien), die als das Land der Hirten und Jäger und als Heimat des Hirtengottes Pan gilt. Arkadien wird zum utopischen, Mythos und Wirklichkeit verbindenden Wunschbild eines Landes der Liebe, der Freundschaft, des idyllischen Friedens - locus amoenus (2).
Es herrscht die Idee eines goldenen Zeitalters, eines verlorenen gesellschaftlichen Ideals, das dem naturfernen Stadtleben oder anderen durch Konventionen beengten gesellschaftlichen Formen entgegengesetzt wird.
Der Charakter der Schäferdichtung ist sentimentalisch und utopisch und artikuliert eine Mythos und Wirklichkeit verbindende Wunschvorstellung.
Die Gattung Schäferdichtung hat seit der Antike vielfältige lyrische, epische und dramatische Formen angenommen. Zu nennen sind besonders die Idylle (3) , die Ekloge (4) und das Lied (5).
Anmerkungen:
(1) griechisch: boukolos = Hirt, deswegen auch bukolische Dichtung
(2) anmutige Landschaft = locus amoenus, deswegen auch arkadische Poesie. Besonders charakteristisch ist die Vermischung von lyrischen, dramatischen und epischen Elementen, z.T. auch von Vers und Prosa. Unscharfe Gattungsgrenzen.
(3) von gr. eidyllion = kleines Bild, eidos = Gestalt, Idee. Wurde über die Jahrhunderte hinweg als "kleines (Genre) Bild" gedeutet. Im engeren Sinne stellt die Idylle eine zwischen Lyrik und Dramatik angesiedelte literarische Gattung in der Nachfolge der Gedichte Theokrits dar.
(4) von gr. eklegein = auswählen. War in der römischen Literatur die Bezeichnung für ein kleineres, auserlesenes Hexametergedicht, und wurde später eingeengt auf die Hirten- und Schäferdichtung.
(5) im 18. Jahrhundert neben der pietistisch schwärmerisch religiösen Liedform auch die säkularisierte Form der Gefühlssprache.
Quelle: Universität Leipzig, Institut für Germanistik
PAN
Pan (entspricht dem römischen Faunus) ist der griechische Schutzgott der Hirten und der Kleinviehherden. Halb Mensch, halb Ziegenbock führt er das Gefolge des Dionysos an, stellt den Nymphen nach und ist der Stammvater der Satyren. Er ist zumeist als lüsternes Mischwesen mit Bocksbeinen, oft mit Bockskopf und Hörnern, dargestellt. Dionysos seinerseits ist der Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase und ihm zu Ehren wurden in Athen die Dionysien abgehalten, in denen das Theater und vor allem die Tragödie zu ihrer Form fanden.
Zur Abstammung des Pan gibt es mehrere mythologische Versionen:
Nach der bekanntesten war Pan ein Sohn des Hermes und der Eichennymphe "Dryops". Als seine Mutter nach der Geburt fesstellte, daß ihr Sohn Ziegenfüße, -hörner und einen Bart hatte, war sie so erschrocken, daß sie ihn aussetzte. Er wurde von Hermes in den Olymp gebracht. Eine andere Geschichte erzählt, daß Pan ein Sohn des Zeus und derKallisto war. Nach einer dritten Erzählung ist Pan ein Sohn desKronos und der Himmelsziege "Aix", also ein Halbbruder des Zeus. Die "Aix" war zugleich die Amme des Zeus.
In größerem Zusammenhang ist er als Gott des Waldes und der Natur anzusehen. Die Hirten verehrten Pan, fürchteten sich aber vor seinem Anblick. Doch als den Gott der Wälder und Wiesen baten sie ihn um Schutz für ihre Herden und brachten ihm dafür auch Opfer dar.
Sein liebster Aufenthalt war der Berg Lycäus in Arkadien.
Sein Mantel - so ist anzunehmen - ist eine Bockshaut, und in den Händen trägt er einen gekrümmten Schäferstab oder eine siebenröhrige Flöte, diePanflöte. (Als Syrinx, eine Nymphe, seine Liebe verschmähte und sich auf der Flucht vor ihm in ein Schilfrohr verwandelte, schnitzte Pan daraus die Hirtenflöte Syrinx, die sich auch heute noch größter Beliebheit erfreut und Panflöte genannt wird.) Der gekrümmte Hirtenstab symbolisiert die Natur der Dinge an sich und ihren Kreislauf (z.B. die Wiederkehr der Jahreszeiten). Andere Waldgötter mit Ziegenfüßen wurden Ägipanen genannt.
Pan hat Freude an Musik, Tanz und Fröhlichkeit. Die Mittagsstunde ist ihm jedoch heilig und er kann sehr ungehalten werden, wenn man ihn zu dieser Zeit stört.
Halb wohltätig und halb furchterregend ist Pan für die Menschen. Erschreckende nächtliche Laute, deren Ursprung den Leuten nicht klar war, wurden Pan zugeschrieben. Daher stammt auch der Begriff "panische Furcht" bzw. Panik. Auch sandte er den Persern vor der Schlacht von Marathon 490 v. Chr. die Panik.
Die kathol. Kirche benutzte Pans bocksfüssige Mißgestalt für die Gestalt des Teufels. Wie viele heidnische Bräuche wurde auch die Vorstellung von Pan auf diese Weise zweckbringend umfunktioniert.
Gesellschaftliche Rezeption
Während der heutigen Menschheit der sexuelle Kontakt mit Tieren als eine besonders abwegige und seltsame Triebabweichung erscheint, dürfte sie in früheren Epochen menschlicher Kultur ein keineswegs so besonderes Vorkommnis gewesen sein. Dafür sprechen zum Beispiel die Mythen des alten Ägypten und Indien sowie der Antike. (HARTWICH, 63)
Aus vielen Kulturen ist der Glaube bekannt, daß sich Menschen in Tiere verwandeln könnten. Hierbei ist ein starkes sexuelles Element wirksam. So glaubte man noch im Mittelalter an "Wolfsmenschen" ("Lykanthropen"), die bei dem Koitus mit Wölfinnen größere Lust verspürten als ein Mann je in dem Vereinigen mit einer Frau verspüren könne. (BORNEMANN, 465) Tiere werden in Mythologie und Folklore zudem als Genitalsymbole verwendet, etwa der Fisch, die Schnecke, die Maus (der Genitalbehaarung wegen) und die Schlange, das bedeutsamste Symbol des männlichen Gliedes. (FREUD, Traumdeutung, 351)
Viele Rituale und Kulte der frühen Religionen bestanden aus dem Koitus mit "heiligen Tieren". Beispielsweise waren die Schlangen des Äskulap im griechischen Äskulapkult Schlangen, die Frauen in Tempeln zur geschlechtlichen Vereinigung benutzten. Das Verehren des Bocks von Mendes im Osiriskult des alten Ägypten bestand in der sexuellen Paarung von gläubigen Frauen mit dem heiligen Tier. Alle Totemkulte gehen auf das Konzept eines tierischen Urahns zurück. Deshalb steht am Anfang vieler Mythen die Paarung von Mensch und Tier.
Fabeltiere der Urreligionen (wie Mesopotamien, Ägypten, Hellas), die halb Mensch, halb Tier waren, müssen als "Abkömmlinge" sexueller Paarungen von Mensch und Tier verstanden werden. (BORNEMANN, 880) Mythologische Paare sind beispielsweise: Leda - Schwan, Ganymed - Adler, Europa - Stier, Semiramis - Pferd. (HÖGE) Bei den Griechen galten viele der Zwitterwesen als Halbgötter. Nur selten begleitete man das Konzept einer solchen Paarung mit einem Bewußtsein der Sünde.
In der mittelalterlichen Welt dagegen bezeugen solche Kreuzungen - der Werwolf (halb Wolf, halb Mensch); der Vampir (halb Fledermaus, halb Mensch) - das schlechte Gewissen nach dem Paaren mit dem Tier. (BORNEMANN, 881) Den sogenannten Hexen wurde vorgeworfen, sie würden Geschlechtsverkehr mit Ziegenböcken praktizieren. (BORNEMANN, 879)
Vor der Aufklärung wurde sexueller Tierkontakt als Frevel wider den göttlichen Schöpfungsplan denunziert. Seit Kant, der dafür die Todesstrafe forderte, sah man dabei vor allem "die Menschenwürde gröblich verletzt". Ab dem 12. Jahrhundert wurde der sexuelle Tierkontakt auch strafrechtlich verfolgt. (HÖGE)
Bis ins 18. Jahrhundert wird sexueller Tierkontakt als todeswürdiges Handeln definiert. (ARNOLD, 2096) Indes auch für die Tiere, die gemeinsam mit dem Delinquenten exekutiert wurden. Noch 1771 wurden in Paris sogar alle "Schoßhündchen" beschlagnahmt und am 25. Mai des Jahres auf dem Place de Grève verbrannt. (MASSEN, 157) Eine berühmte Ausnahme ist ein bekannter, aber recht unterschiedlich zitierter Ausspruch Friedrichs II. aus dem 18. Jahrhundert. Der Preußenkönig verurteilte einen Kavalleristen, der mit einer Stute sexuellen Kontakt hatte, nicht mehr zum Tode: "Der Kerl ist ein Schwein und soll unter die Infanterie gesteckt werden." (zitiert nach KRAFFT-EBING, 422)
"Elemente archaischer Erinnerungen an tatsächliche Kopulationen von Mensch und Tier enthält noch heute der Wunsch des Masochisten, von seiner Herrin als Tier behandelt zu werden." (BORNEMANN, 881)
Die drei berühmtesten Fälle von Geschlechtsverkehr mit Tieren werden aus dem 16. Jahrhundert berichtet, wo dem italienischen General Giorgio Basta und den Herzögen von Nemours und Nevers der Geschlechtsverkehr mit Ziegen vorgeworfen wurde. Dem General sagte man nach, er habe als Mätresse eine Ziege, die prunkvoll mit Schmuck wie eine Kurtisane ausgestattet sei. Dem Herzog von Nemours und seinen italienischen Söldnern warfen die Franzosen vor, ihr Lebenswandel sei so pervertiert gewesen, daß die Bauern überall dort, wo sie durchgezogen seien, sich gezwungen gesehen hätten, alle Ziegen zu verbrennen. Louis de Gonzague, Herzog von Nevers, soll auf seinen Feldzügen zweitausend Ziegen mitgeführt haben, die mit Überwürfen aus grünem Samt und großen goldenen Borten bekleidet waren. D'Artagnan sagt: "Sie dienten sowohl den Soldaten als auch ihm selbst als Mätressen." (BORNEMANN, 880) ...
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EDWARD ALBEE
Edward Albee wurde 1928 in Washington geboren. Dreißig Tage nach seiner Geburt kam er nach New York und wurde dort von dem amerikanischen Theaterunternehmer und Mulitmillionär Reed Albee adoptiert. Er besuchte verschiedene Schulen und studierte am Trinity College und an der Columbia Universität. Mit einundzwanzig verließ er sein Elternhaus und arbeitete, obwohl finanziell durch eine Erbschaft unabhängig, in den verschiedensten Jobs vom Warenhausverkäufer bis zum Telegrammboten und Barmann. Sein Interesse für Musik und Theater war stets besonders groß. Seine Weltkarriere als Dramatiker begann in Berlin, wo Boleslaw Barlog 1959 den Einakter Die Zoogeschichte in der Werkstatt am Schillertheater herausbrachte, nachdem er von mehreren amerikanischen Bühnen abgelehnt worden war.
Auswahl der bekanntesten Theaterstücke:
Die Zoogeschichte (The Zoo Story), Das Spiel ums Baby (The Play about the Baby),
Empfindliches Gleichgewicht (A Delicate Balance), Wer hat Angst vor Virginia Woolf (Who's Afraid of Virginia Woolf), Winzige Alice (Tiny Alice), Drei große Frauen (Three Tall Women)
www.fischertheater.de
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