AM ZIEL
von Thomas Bernhard

Regie: Hans Peter Horner
Bühne und Kostüme: Ursula N. Müller
Premiere: 13. April 2006
Theater am Kornmarkt

  05574 - 42870   .   Email
 

In diesem Bernhardschen Aphorismus aus AM ZIEL blitzt die ganze existentielle Pein des Menschen auf, und er bezeichnet einen Grundzustand des An-Sich-Selbst-Verzweifelns, mit dem Thomas Bernhard fast all seine großen dramatischen Figuren charakterisiert hat. Sie leiden an diesem Zustand und suchen gleichzeitig ihm durch die Menschen, die ihnen am nächsten stehen, zu entkommen. Doch das Ergebnis dieser verzweifelten Zuwendung endet meist in der Vernichtung dieser Menschen, den die verzweifelte Liebe dieser allzu starken und doch so schwachen Menschen kann sich nicht anders äußern als in quallvoller Umklammerung, und so dechiffriert der große österreichische Dichter unser Zusammenleben, vor allem das innerhalb der Familie, als System von Abhängigkeit und Verbundenheit, Anmaßung und Sehnsucht, Verletzung und Zuwendung.
Solchen Zwängen gehorchend, hört die wortgewaltige Mutter in AM ZIELnicht auf, ihrem inneren Druck nachzugeben - und den lebt sie aus, indem sie zu ihrer Tochter spricht: in nichtendenwollenden Wortkaskaden, Bernhards exquisitem poetischen Mittel der Darstellung der Conditio humana.

Die Szene spielt zunächst am Vorabend der Abreise ans Meer, dann im Feriendomizil selbst, es ist die seit 33 Jahren immer gleiche Urlaubsreise, die Tochter packt die Koffer, die Mutter spricht, doch heute ist eines anders: erwartet wird der "dramatische Schriftsteller", der unverkennbar Züge des Autors trägt und der das alljährliche Ferienritual der Witwe und ihrer geknechteten Tochter, einmal am Meer angekommen, etwas durcheinanderbringt. Hat er doch bei der Uraufführung von seinem "Rette sich wer kann" dem bildungsbürgerlichen Publikum dessen eigenen "Dreck" ins Gesicht geschleudert und mit diesem Werk seinen künstlerischen Durchbruch geschafft. Sowohl Tochter als auch Mutter begegnen diesem Mann mit Faszination und Verliebtheit, doch AM ZIEL wäre nicht von Thomas Bernhard, würde es nicht als Probe aufs Exempel demonstrieren, wie der Autor schon im ersten längeren Gespräch vom erregten Gedankenstrom der Dame des Hauses pulverisiert wird.

 

Weitere Szenenfotos >
Virtuelles Programmheft  >

Schreiben Sie uns doch
Ihre Meinung >
zum Stück !

     
  Alle sind immer gleich
sie bemühen sich
von sich wegzukommen
ein Anderer zu sein
vergeblich
   
     
  Regie: Hans Peter Horner
Bühne und Kostüme: Ursula Müller
Dramaturgie: Andreas Hutter
Regieassistenz und Abendspielleitung: Elke Nagel
   
  Mit: Tatja Seibt, Jasmin Rischar, Wolfgang M. Reicher, Elvira Naphegy    
     
  zurück