HEDDA GABLER
Schauspiel von Henrik Ibsen

Regie: Thilo Voggenreiter
Bühne: Elisabeth Pedross
Kostüme: Yvette Schuster
Premiere: 27. Mai 2006
Theater am Kornmarkt

Weitere Vorstellungen: 31. Mai, 01., 16., 17., 18., 23. Juni, jeweils 20.00 Uhr

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Im Grunde ihres Herzens jedoch erwartete sie ein Ereignis. Wie die Matrosen in Seenot, ließ die verzweifelte Blicke über die Ödnis ihres Lebens schweifen und suchte fern am Horizont im Nebel ein weißes Segel. Sie wußte nicht, welcher Zufall, welcher Wind es zu ihr treiben würde, zu welchem Ufer es sie führen würde, ob es das Segel einer Schaluppe oder eines Schiffs mit drei Decks sein würde, ob beladen mit Ängsten oder bis an die Ladepforten gefüllt mir Glückseligkeiten. Aber jeden Morgen, wenn sie aufwachte, ersehnte sie es für den Tag, und sie horchte auf alle Geräusche, fuhr hoch, war erstaunt, daß es nicht kam, und dann, wenn die Sonne unterging, jedesmal ein wenig trauriger, wünschte sie den nächsten Tag herbei.

(...)

Nach dem Kummer über diese Enttäuschung blieb ihr Herz aufs neue leer zurück, und die Reihe der immer selben tage fing wieder an. So würden sie nun einander folgen, immer gleich, endlos, und nichts mit sich bringen! Das Leben der anderen, so banal es auch sein mochte, bot doch wenigstens die Möglichkeit eines Ereignisses. Ein Zufall führte manchmal zu ungehauren Umschwüngen, und die Szenerie wechselte. Aber für sie ereignete sich nichts, Gott hatte es so gewollt! Die Zukunft war ein schwarzer Gang, der seine Tür am Ende fest verschlossen hielt.

Aus: Gustave Flaubert, Madame Bovary, veröffentlicht 1857

 

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