Die Frau, die einen Truthahn heiratete
von Gunilla Boëthius

Regie: Karin Eppler
Premiere: Freitag, 12. Mai 2006
Theater auf der Probebühne




 
 märchenmärchen 2004/05 
 
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Selbstbiografie von Gunilla Boëthius
Ich bin in den 50iger Jahren mit einem älteren Bruder und einer jüngeren Schwester aufgewachsen. Mama kommt aus Finnland und mein Vater war Lehrer. Wir sind oft umgezogen, so dass ich nirgend wirkliche Wurzeln hatte. Dann wurde ich Journalistin und arbeitete viele Jahre vbei AFTONBLADET. Als ich mein erstes Kind zur Welt brachte, kündigte ich und wurde mit der Zeit Kinder- und Jugendtheaterdramatikerin. Ich schreibe oft über die Einsamkeit von jungen Menschen, wenn sie aus dem geschützten Familienkreis hinaus in das komplizierte und unbekannte Leben gestoßen werden und damit sich selbst überlassen sind. Die Kindheit und die Pubertät erlebe ich als die intensivste Periode im Leben; dunkel und schmerzvoll, aber auch magisch und wunderbar. Alles wird zum ersten Mal erlebt.

Jungsein
Überall in der Reklame sehe ich schöne sorglose junge Menschen, die mir auf sonnigen Stränden entgegenlaufen, lachen und Basketball spielen. Aber jung zu sein bedeutet genau das Gegenteil. Ich fand, es war die Hölle. Gerade als ich ungefähr 12 Jahre alt war und begann, mich im Leben zurecht zu finden, drängte sich die Pubertät auf. Alles wurde zerschlagen. Der Körper veränderte sich. Was hießt hier „aufblühende Frau“? Ich fand, ich verwandelte mich in ein Monster. Etwas Gewaltiges stieg in mir auf. War ich das? Diese wütende Dicke im Spiegel? Wenn ich nur ein Junge gewesen wäre. Dann hätte ich mich wenigstens prügeln können. Und heutzutage geht es den jungen Leuten noch schlechter. Sie bekommen nicht mal Arbeit. Die Tür zur Erwachsenenwelt ist ihnnen direkt vor der Nase zugeschlagen worden.

Aus einem Artikel über Gunilla Boëthius aus dem Jahr 2000

„Karikatur einer Familienhölle mit Truthahn“
als die gelernte Journalistein Gunilla Boëthius vor knapp zwei Jahrzehnten ein Kinderbuch zu schreiben begann, geriet ihr dabei so viel an eigener skurriler Fantasie und schwarzer Emotion mit hinein, dass sie selbst ein bisschen erschrocken war. Zwischenzeitlich hat sie allerdings etliche Bücher, Hörspiele und Dramen verfasst und diese Art abgründiger Humor ein ein wenig zu ihrem Markenzeichen gerworden.
Sie hat ... viel darüber nachgedacht, wie es Kindern in ihrer Umwelt geht. „Die Kindheit“, sagt sie, „ist die Zeit mit den stärksten Gefühlen“. Liebe, Eifersucht, Hass, alles wird ganz unmittelbar und ohne Schutz erlebt. Als ihr erstes Buch dann auf die Bühnenbretter kam, hat Gunilla Boëthius gemerkt, dass das Theater mit seinen Konflikten, Aktionen und Dialogen ihrem eigentlichen schriftstellerischen Temperament entspricht. Seit der ersten Aufführung des „Truthahns“ Mitte der 80er Jahre hat das Stück seinen Siegeszug durch ganz Skandinavien und dann bis nach Deutschland angetreten.
Das Publikum ... ist stets angetan von dieser gewagten Mischung zwischen Trauer und Klamauk. Der Schock über das eigene Lachen gehört dazu, und da sind die Deutschen kein bisschen anders gestrickt als die Schweden.
Die Idee mit dem Ex-Truthahn als Ehemann hat Gunilla Boëthius einem Frauenfilm zu verdanken, bei dem eine Frau zunächst einen Truthahn krault und dann plötzlich zum Beil greift und ihm den Kopf abhackt. Frauen, daran lässt die Autorin aus Stockholm keinen Zweifel aufkommen, sind nicht besser oder weniger grausam als Männer, sie haben nur weniger Macht und leben ihren Hass dann häufig in der Familie aus.
Kirsten Baumbusch

 
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