DIE KASSETTE
Ein bürgerliches Lustspiel
von Carl Sternheim

Regie: Harald F. Petermichl
Bühne: Karl-Heinz Steck
Kostüme: Christine Brandi
Premiere 7. Oktober 2006
Theater am Kornmarkt

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  Ein bürgerliches Endspiel: Oberlehrer Heinrich Krull vernachlässigt seine liebeshungrige zweite Frau Fanny, da er nur noch an die zu erwartende Erbschaft seiner Tante Elsbeth Treu denkt: 140.000 Mark in Form von Wertpapieren, die Elsbeth in einer
Kassette aufbewahrt. Auch dem Fotografen Seidenschnur, dem nach und nach das
Dienstmädchen Emma, Krulls Tochter Lydia aus erster Ehe und schließlich auch Fanny verfallen, vergeht über der Jagd nach dem Geld die Lust auf sexuelle Ausschweifungen. Krull geht schließlich statt mit seiner Frau mit der Kassette ins Bett - doch diese ist leer:Tante Elsbeth hat ihren Inhalt längst der Kirche übereignet und wollte nur noch einmal das Spiel um die Macht des Geldes genießen. Wäre Carl Sternheim zum Maler bestimmt gewesen, hieße er wohl George Grosz, denn seine Stücke lesen sich wie die lebendig ins Dreidimensionale gehobene Ausformulierung der Bilder jenes genialen Malers und Karrikaturisten, der mit scharfem Auge den rasanten Untergang der bürgerlichen Welt und ihrer Werte am Beginn des 20. Jahrhunderts porträtierte. DIE KASSETTE stammt aus Sternheims legendärem Zyklus "Aus dem bürgerlichen Heldenleben", mit dem er eine unverwechselbare eigene Gattung schuf. Selbstzufriedene Kleinbürger, rücksichtslose Aufsteiger, pathetische Proletarier und geldgeile Lebemänner sind das Personal dieser Stücke, doch sind diese nicht nur als zynische Satiren zu verstehen, sondern als Abbilder jener Zeit, in der sich bereits der gesellschaftspolitische Erdrutsch ankündigte, der schließlich im Nationalsozialismus
mündete.
Völlig unverwechselbar ist auch der Sternheimsche Sprachduktus, der sich durch das Fehlen von Adjektiven auszeichnet und dadurch ein stakkatoartiges Tempo gewinnt, das sich dramaturgisch immer mehr zuspitzt bis die Schlußpointe erreicht ist. Daneben ermöglicht diese verdichtete Sprache dem Dramatiker auch, die versteckten Absichten
seiner Protagonisten bloßzustellen, sie in ihrer Niedertracht zu entlarven, ihre Machtansprüche sichtbar zu machen oder auch nur die Beschränktheit ihres Denkens auszustellen.
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Regie: Harald F. Petermichl
Bühne: Karl-Heinz Steck
Kostüme: Christine Brandi
Dramaturgie: Brigitte Herrmann
Regieassistenz und Abendspielleitung: Elke Nagel

   
     
  Mit:
Kurt Sternik, Kathrin Schwaderer, Sara Livia Krierer, Helga Pedross, Matthias Klein, Marion Freundorfer, Romuald Kopf / Werner Zudrell
   
     
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