Österreichische Erstaufführung
ROTE KOMETEN

von Andreas Sauter und Bernhard Studlar

Regie: Lothar Maninger
Bühne und Kostüme: Hella Prokoph
Premiere: 25. November 2006
Theater am Kornmarkt

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  Andreas Sauter
Geboren 1974 in Zürich. 1995 Grundschullehrerdiplom. Seither freischaffend als Autor, Schauspieler und Regisseur im Theater. 1997 Schauspiel Akademie Zürich. 1998-2002 Studium an der Hochschule der Künste Berlin, Fachrichtung „Szenisches Schreiben". Theaterstücke als Einzelautor sowie im Autorenduo Andreas Sauter/Bernhard Studlar. 2002 Uraufführung seines Stückes Liza - Am letzten Abend bauchfrei am Schauspiel Nürnberg. Sauter und Studlar lernen sich während des Studiums in Berlin kennen. Ihr erstes gemeinsam verfaßtes Stück A. ist eine andere wird mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatik 2000 ausgezeichnet. All about Mary Long erhält den Preis für eine „Radikalkomödie" vom Staatstheater Kassel (UA beim Donaufestival 2004). 2003 Uraufführung von Fiege am Theater Bielefeld. Preis für das „Hörspiel des Jahres 2004" der Stiftung Radio Basel für A. ist eine andere. Andreas Sauter lebt als freischaffender Autor in Neubrunn/Thüringen.

Bernhard Studlar
Geboren 1972 in Wien. 1991-1996 Studium an der Universität Wien (Theaterwissenschaft, Philosophie, Germanistik, Publizistik). 1995-1998 Dramaturg und Regieassistent am Theater der Jugend in Wien. 1998-2002 Studium an der Hochschule der Künste im Fach „Szenisches Schreiben". Bernhard Studlar schreibt Stücke als Einzelautor sowie im Autorenduo mit Andreas Sauter. 2001 Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes für sein Stück Transdanubia-Dreaming, das im Januar 2003 am Burgtheater Wien uraufgeführt wird. Das erste mit Andreas Sauter gemeinsam verfaßte Stück A. ist eine andere wird mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatik 2000 ausgezeichnet. All about Mary Long erhält den Preis für eine „Radikalkomödie" vom Staatstheater Kassel (UA beim Donaufestival 2004). 2003 Uraufführung von Fiege am Theater Bielefeld. Im Dezember 2003 Uraufführung von Mariedl-Kantine am Burgtheater Wien. Preis für das „Hörspiel des Jahres 2004" der Stiftung Radio Basel für A. ist eine andere. Bernhard Studlar lebt als freischaffender Autor in Berlin und Wien.

Zum Inhalt
Weihnachten, Fest der angebrannten Gänse und der spontanen Nächstenliebe. Die Schwestern Bibi und Lilli Kroll, beide um die 30, haben die Nase voll von leeren Ritualen und vom alljährlichen Konsumrausch und beschließen den Boykott. Vielmehr: Eine revolutionäre Weihnachtsaktion. - Ein Jahr später: Schon seit einer Weile macht eine politische Gruppe, die sich ROTE KOMETEN nennt, in der Stadt auf sich aufmerksam. In Robin-Hood-Manier nimmt sie von den Reichen und verteilt es an die Armen.
Als im Hause Kroll der geliebte Hauskater Gustav verschwindet und kurz darauf eine Lösegeldforderung über zehntausend Euro ins Haus flattert, ist jedem in der Familie sofort klar, daß die ROTEN KOMETEN zugeschlagen haben. Lilli und ihr Mann Leopold, die eigentlich zu Weihnachten für Nachwuchs sorgen wollten, haben nun inmitten der familiären Turbulenzen keine ruhige Minute mehr. Der Familienrat tagt, und das Katerleben wird schwerer gewogen als das Lösegeld. Den Entführern wird aufgelauert, doch dann ist das teure Katzentier plötzlich zurück und ertrinkt fast in der Badewanne. Dennoch gibt Lilli ihren Plan nicht auf: am Heiligen Abend soll ein Kindlein kommen ...
Ein Weihnachts-Komödien-Spaß mit sozialem Hintersinn für die ganze Familie, in denen das Autorenduo Sauter & Studlar alle Screwball-Register zieht.

Die Legende von Robin Hood
Die Geschichte von Robin Hood, dem Hauptmann der lustigen Geächteten vom Sherwood Wald
Robin Hood wurde in einem Dorf in Nottinghamshire geboren. Sein Vater war Förster, und er hatte einen reichen alten Onkel, den Gutsherrn Gamewell, der war ein Bruder seiner Mutter und wohnte etwa zwanzig Meilen weit weg.
Als Robin Hood ungefähr dreizehn Jahre alt war, wurde beschlossen, daß er zu Weihnachten seinen Onkel besuchen sollte, und er machte sich zu Pferd auf, und seine Mutter saß hinter ihm. Als sie auf Gut Gamewell ankamen, hieß sie der Gutsherr herzlich willkommen. Er hatte eine große Gesellschaft in seinem Haus, und sie verbrachten den Tag mit viel lustiger Unterhaltung. Hier war es, wo sich Robin mit Klein John anfreundete, nach dem sein Onkel gesandt hatte, damit er sie mit seinen spaßigen Possen unterhalte. Aber die ganze Gesellschaft war erstaunt, als Robin aufstand und ihm alle Kniffe nachmachte, und dazu noch besser als er. Der Gutsherr war von seinem Neffen so entzückt, das er versprach, ihn zu seinem Erben einzusetzen, wenn er auf Gamewell bleiben wollte.
Einmal war Robin fort, um seinen Vater zu besuchen, da wurde der Gutsherr plötzlich krank, und man sandte einen Boten, der ihn eiligst heimholen sollte. Inzwischen fühlte der Gutsherr, daß er sterben müsse, und schickte nach einem Mönch, damit er mit dem Himmel sein Frieden machen könnte. Und dieser Mönch brachte ihn dazu, ein Dokument zu unterzeichnen, mit dem er alles, was er hatte, der Kirche übereignete. Als Robin auf dem Gut ankam, war sein Onkel tot, und die Mönche, die das Haus in Besitz genommen hatten, schlossen ihm die Tür vor der Nase und wollten ihm gar nichts geben. Das war ein schwerer Schlag für den armen Robin, denn er war als Edelmann erzogen worden und hatte kein Handwerk gelernt und war nicht imstande, sich sein Unterhalt zu verdienen. Als er vom Gut ging, traf er Klein John, der auf ihn wartete. Sie waren entschlossen, ihr Glück gemeinsam zu suchen, und kamen überein, in den Sherwood Wald zu gehen und dort von dem zu leben, was sie sich mit ihren Bogen beschaffen konnten. Bald zog sein Ruhm eine Anzahl junger Männer an, die sich seiner Bande anschlossen.
Obgleich der Wald reich war an Wild, meinte Robin doch, daß sie auch noch anderes brauchten, was ohne Geld nicht zu besorgen war; und weil er dachte, daß ihn die Mönche, die ihn seines Besitzes beraubt hatten, eigentlich damit versehen müßten, forderte er von jedem Priester eine Abgabe.
Eines Tages traf er am Rande des Waldes zwei wohlberittene Priester. Er brauchte ein Pferd und beschloß, die beiden Pater zu berauben. Er packte ihre Zügel und befahl ihnen abzusteigen. Aber der eine hieb wild mit dem Peitschengriff nach Robin, der fing den Schlag mit seinem Stock auf und brachte den Priester rasch zu Boden. Da baten die Priester um Gnade, aber sie sagten sie hätten kein Geld. Robin war aber nicht damit zufrieden und befahl ihnen, sogleich auf die Knie zu fallen und um die Summe zu beten, die er brauchte. Vor lauter Furcht konnten sie sich nicht weigern, das zu tun. Und als sie gebetet hatten und noch kein Geld zum Vorschein gekommen war, durchsuchte er beide und fand in ihren Taschen fünfzig Goldstücke.
Robin Hood liebte einen guten Spaß geradeso wie eine gute Beute; eines Tages traf er einen fröhlich dreinschauenden Metzger auf einem Pferd mit Tragkörben an jeder Seite, der war auf dem weg zum Markt in Nottingham. Robin handelte ihm den Gaul und die Körbe ab, und sie tauschten ihre Kleider. Der Metzger hatte die schöne scharlachrote Uniform von Robin angezogen, und Robin, der wie ein Metzger gekleidet war und auch so zu Pferde saß, ritt stracks zum Markt in Nottingham. Dort mietete er ein Stand und begann sein Fleisch zu veräußern. Er gab für einen Penny mehr her, als die Metzger für fünf hergeben konnten, und so verkauften sie nichts. Die Metzger hielten ihn für einen Verschwender ohne Verstand und nahmen an, sie könnten mit ihm ein gutes Geschäft machen. Sie baten ihn daher, mit ihnen zu essen. Robin willigte ein, und nach dem Mahl bestand er darauf, die Rechnung zu bezahlen. Kaum hatte das der Friedensrichter beobachtet — ein schlauer alter Geizhals, der sowohl über den Markt als auch über das Wirtshaus gebot —, da beschloß er auch schon, einen Vorteil daraus zu ziehen, und er sagte zu ihm: "Mein guter Mann, habt Ihr irgendwelches Hornvieh zu verkaufen?" — "Ja, mein guter Herr Friedensrichter", antwortete Robin Hood, " wenn es Euch gefällig ist, mitzukommen und es anzuschauen."
Der Friedensrichter befahl sogleich, sein Pferd herauszuführen, und ritt mit Robin Hood davon. Als sie in den Wald von Sherwood hineinritten, sahen sie eine Gruppe von feinsten Hirschen hin- und herspringen. "Wie gefällt Euch mein Hornvieh, Herr Friedensrichter?" sagte Robin, "dies ist das Vieh, von dem ich Euch erzählt habe." - "Um die Wahrheit zu sagen", antwortete der, "mir gefällt Eure Gesellschaft nicht sehr, und ich wollte, ich wäre wieder in Nottingham."
Robin blies dreimal auf seinem Horn, und sogleich erschien Klein John mit einer Schar der Lustigen Männer. "Hier, Kameraden", sagte Robin, "habe ich den Friedensrichter von Nottingham mitgebracht, damit er heute mit euch speist, und ich hoffe, er wird für sein Mahl bezahlen," Sehr gegen seine Neigung wurde der Friedensrichter gezwungen, mitzugehen und mit ihnen zu speisen. Nach der Bewirtung erleichterte ihn Robin um die dreihundert Pfund, die er im Beutel hatte, um den beabsichtigten Kauf zu bezahlen. Dann setzte er ihn auf sein Pferd, führte ihn aus dem Wald heraus und bat ihn, seiner Frau eine freundliche Empfehlung zu bestellen.
Der Bischof von Hereford unternahm mehrere Fahrten in den Wald von Sherwood, um Robin gefangenzunehmen und ihn an den Galgen zu bringen. Eines Tages sah Robin, wie der Bischof mit sechs seiner Leute ihn verfolgte. Da er keine Zeit zu verlieren hatte, lief er weiter, bis er die Hütte einer armen alten Frau erreichte. Er stürzte hinein und bat sie, sein Leben zu retten. Sie tauschte sofort ihre Kleider mit ihm, und als der Bischof mit seinen Männern hereinkam, ging Robin an ihnen vorbei und entkam.
Als der Bischof die Hütte betreten hatte, ergriff er die alte Frau in Robins Kleidern und sagte: "Ich weiß, du bist einer von Robin Hoods Bande, deshalb bring mich dorthin, wo er ist, dann soll dir dein Leben geschenkt werden." Die alte Frau willigte ein, ihn hinzubringen, sie waren rasch aufgesessen und ritten zu einer Lichtung im Wald, dort waren alle Bogenschützen von Robin aufgestellt. Der Bischof wendete und wollte davonreiten, aber Robin holte ihn vom Pferd herunter und zwang ihn, mitzugehen und an ihrem fröhlichen Festmahl teilzunehmen. Nach dem Essen erleichterte sie ihn um Fünfhundert Pfund als Bezahlung seiner Rechnung, dann führten sie ihn und sein Gefolge zur Landstraße. Dort ließen die Bogenschützen sie dreimal hochleben und kehrten in den Wald zurück.
Als Robin und seine Lustigen Männer eines Tages so dahingingen, zog Klein John Bettlerkleider an, um seine Gefährten zu unterhalten. Er war noch nicht weit gegangen, da überholte er vier Bettler, von denen war einer taub, einer blind, und die beiden anderen waren lahm. Kaum trafen sie zusammen, da fingen sie schon Streit an, denn Bettler sind sehr eifersüchtig auf andere, die sie auf ihren Wegen belästigen. Einer von ihnen schlug mit seiner Krücke nach Klein John, und der gab die Artigkeit unverzüglich zurück, auch wenn sie vier gegen einen waren.
John kniff den Stummen, da brüllte der, und den Blinden, den ließ er sehn; und der ein Krüppel seit sieben Jahrn, der konnte schneller als John jetzt gehn.
Nach diesem Treffen durchsuchte er die Bündel der Bettler und fand dreihundert Pfund Gold in ihren Mänteln eingenäht.
König Richard hatte oft von der wunderbaren Geschicklichkeit Robin Hoods und seiner Bande gehört und von ihren großmütigen Taten, und er begehrte sie zu sehen. Als Mönch verkleidet bestiegen der König und zwölf seiner Hofleute in seiner Begleitung die Pferde und machten sich auf zum Wald. König Richard ritt vorweg, Robin hielt ihn für den Abt und ergriff sein Pferd beim Zügel und sagte: "Bleibt stehen, Abt, und gebt Euer Geld heraus. Es war ein Mönch der mich zugrunde gerichtet hat, und ich habe geschworen, keinen von Eurer Bruderschaft zu verschonen." - "Wir sind aber Sendboten des Königs", sagte Richard. Als Robin das hörte, ließ er den Zügel los und sagte:"Gott sei mit ihm! Und möge er all seine Feinde verderben!"
Der König sagte zu Robin Hood: "Nun, du wackerer Bursche, wenn ich Begnadigung für dich und deine Männer erwirken könnte, würdet ihr dann zu treuen Untertanen?" Dies war Robins größter Herzenswunsch, und so antwortete er: "Abt, ich bin dieser Art Leben müde, und der König würde in uns die treuesten und friedvollsten Untertanen finden."
"Sieh deinen König an!" sagte Richard und machte den Mönchsumhang ein wenig auf, so daß der Stern und andere königliche Abzeichen zu sehen waren. Sogleich fielen Robin und seine Bogenschützen auf die Knie vor ihm. "Steht auf, meine wackeren Burschen, Euer Anführer ist nun Graf von Huntingdon, und das steht ihm mit Recht zu als dem nächsten Erben der letzten Grafen. Ich gebe euch der menschlichen Gesellschaft wieder zurück und verzeihe euch aus freien Stücken alle eure früheren Vergehen."
Englische Volksmärchen, Eugen Diedrichs Verlag, 1990, von rado jadu 2000

Ihr Kinderlein kommet
Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all!
Zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall
Und seht was in dieser hochheiligen Nacht
Der Vater im Himmel für Freude uns macht.
O seht in der Krippe im nächtlichen Stall,
Seht hier bei des Lichtleins hellglänzendem Strahl,
In reinlichen Windeln das himmlische Kind.
Viel schöner und holder, als Engel es sind.
Da liegt es, ach Kinder, auf Heu und auf Stroh,
Maria und Josef betrachten es froh;
Die redlichen Hirten knien betend davor,
Hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.
O beugt, wie die Hirten, anbetend die Knie,
Stimmt freudig, ihr Kinder, wer soll sich nicht freuen?
Stimmt freudig zum Jubel der Engel mit ein.

Ihr Kinderlein kommet - nicht
Die zunehmende Mobilität im Job, vom Fernpendeln zum "Living apart together"-Modell, hat eine dunkle Seite: Die Frauen verzichten großteils auf Kinder

Dass Kinder Geborgenheit brauchen, sei potenziellen Eltern meist klar, weiß Paloma Fernandez de la Hoz. Ohne Zutrauen, dass sie das auch bieten werden können, betont die Sozialwissenschaftlerin der Katholischen Sozialakademie Wien, würden die Frauen ihren Kinderwunsch "aus Verunsicherung verschieben". Das Durchschnittsalter für Erstgebärende in Österreich liegt bei 28 bis 29 Jahren, 1970 betrug es noch 24 bis 25 Jahre - und Frauen, die sich mit über 40 fürs erste Kind entscheiden, sind heute keine Seltenheit mehr.
Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spiele bei dieser Entwicklung die dunkle Seite der zunehmenden Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt, bringt hier Norbert F. Schneider, Soziologe im deutschen Mainz, vor. "Kinder werden entweder später geboren, oder die Paare entscheiden sich gegen die Elternschaft", sieht er Folgen von mehr Mobilität im Job.
Laut Volkszählung waren 2001 von den rund 3,5 Millionen Erwerbstätigen 164.064 Personen Fernpendler - sie wenden täglich zwei Stunden oder mehr für den Arbeitsweg auf. Das sind um 53.969 Menschen mehr als bei der Volkszählung zehn Jahre davor, plus 49 Prozent.
Der Nachwuchs muss vor allem dort warten, wo berufliche Mobilität als Zwang empfunden werde, etwa unter dem Eindruck hoher Arbeitslosigkeit, erläutert Schneider. Dazu komme eine "wenig ausgeprägte Mobilitätsbereitschaft" in Deutschland - Österreich gilt als vergleichbar.
Resultat
Auch wenn Wochenendbeziehungen und das Modell des "Living apart together" (getrennt zusammenleben) derzeit im Trend zu liegen scheinen; es ist ein Trend, der die Geburtenzahl weiter reduziert. 79 Prozent aller von Schneider befragten Frauen in Wochenendbeziehungen und 55 Prozent aller Fernpendlerinnen hatten sich bewusst gegen ein Kind entschieden.
Das unterscheidet sie sehr von den mobilen Männern, bei denen "keine signifikant höhere Zahl Kinderloser" im Vergleich zu ihren "sesshaften" Geschlechtsgenossen ausgemacht werden kann. Männer auf beruflicher Achse, so Schneider, drifteten eben oft in ein extrem traditionelles Rollenverhalten, mit Frau und Kind am heimischen Herd, was für Frauen nur in Ausnahmefällen infrage kommt.
Geld allein hilft nicht
Diese Frauen würden vom Gesetzgeber bei ihren Kinderwünschen derzeit nur sehr bedingt unterstützt, meint Alexia Fürnkranz vom Vienna Institute of Demography der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Es gebe vor allem "finanzielle Anreize", Kinderbetreuungsscheck, Kinderbeihilfe, aber "keine strukturellen Maßnahmen", keine bedarfsorientierten Kinderbetreuungseinrichtung - und nur schüchterne Anfänge von Teilzeitarbeitsmodellen mit Vollzeitrückkehroption, wie Michaela Moritz von der Arbeiterkammer ergänzt: "Das seit Juli 2004 existierende Recht auf Elternteilzeit ist da ein wichtiger Anfang."
Die skandinavischen Länder seien "für die mobiler werdende Arbeitswelt weitaus besser gerüstet", ist Fürnkranz überzeugt. Im Gegensatz zu diesen werde im Umgang mit der Kinderwunschfrage in Österreich und Deutschland nämlich vorausgesetzt, "dass die Mutter so lang wie möglich ganz beim Kind bleiben soll".
Ein Blick weiter westwärts relativiere diese Sichtweise bereits. In Frankreich etwa gelte das Arbeiten mit Kleinkind als normal und richtig. Trotz zunehmenden Flexibilitätsdrucks auf dem Arbeitsmarkt habe es dort in den späten 1990er-Jahren ein "wahren Babyboom" gegeben.
DER STANDARD, 24./25./26.12.2005)

ROTE BRIGADEN

»Bewaffnete Propaganda« Kampf gegen Neofaschisten und Kapital: Vor 30 Jahren entstanden in Italien die Brigate Rosse.
Italien wird 1968/69 mit einem in Westeuropa überwunden geglaubten militanten Kampf der Arbeit gegen das Kapital konfrontiert: Er beginnt mit Streiks und Straßenschlachten und endet mit Entführungen und Bombenanschlägen. Dazwischen liegen Erfolge der Arbeiterklasse im Kampf um Löhne und Rechte am Arbeitsplatz, Volksabstimmungen über Ehescheidung und Abtreibung, internationale Aufmerksamkeit für Berlinguers Eurokommunismus, die Wählerstimmen für die KPI stiegen auf fast 34 Prozent (1976), sowie ein erdrutschartiger Machtverlust der katholischen Kirche und des christdemokratischen Regimes.
Das ist der Hintergrund für die folgende Geschichte über die Gründung der Roten Brigaden in Italien im August 1970. So wie die RAF in der Bundesrepublik organisierten die Brigaden in Italien den bewaffneten Kampf gegen das versteinerte kapitalistische Machtsystem.
(...)
Nicht ein paar Dutzend Kämpfer wie in Deutschland, sondern zwischen 7 000 und 11 000 Menschen haben in Italien in den siebziger Jahren den bewaffneten Kampf praktiziert (Primo Moroni 1994, Die Beute). Nicht wenige von ihnen kamen aus der IKP, waren Söhne und Enkel von Kommunisten und Kämpfern der Resistenza. Im Gegensatz zur RAF verfügten die Brigate Rosse und andere linksradikale Organisationen in Italien über eine Basis bei den Industriearbeitern. Davon zeugt, daß die zum linksradikalen Spektrum zählende Democrazia Proletaria, als sie nach Einstellung des bewaffneten Kampfes 1976 sich an den Parlamentswahlen beteiligte, 1,5 Prozent der Stimmen erreichte. Das entspricht etwa einer halben Million Wähler.
Für den Namen Brigate Rosse entschieden sich die Initiatoren erst einige Wochen nach der Gründungsversammlung in Pecorile im August 1970. Mit der Bezeichnung Brigaden wollten sie, wie Renato Curcio in einem Interviewbuch von Mario Scialoja (»Mit offenem Blick«, ID-Verlag, Berlin 1997) erklärt, an die Struktur der Partisanen anknüpfen. Die Farbe »rot« entnahmen sie nicht, wie allgemein angenommen, aus den Fahnen der Arbeiterklasse, sondern von der RAF. Mara Cagol, Curcios Frau, begründete das damit, daß »die Befreiung von Andreas Baader durch die Genossen der RAF, der Rote- Armee-Fraktion, die erste Stadtguerillaaktion in Europa« gewesen sei. »Armee« hielt man für »etwas übertrieben«, aber »Rote Brigaden« fand man in Ordnung. Der fünfzackige Stern im Kreis bildete laut Curcio den »schiefen Stern der Tupamaros« nach. (...)

zit. nach www.nadir.org


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