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Original und Parodie in Wien
"Ich konnte Wagner manches ihm Neue über die merkwürdige Geschichte des Tannhäuser in Wien erzählen. Die Oper, die ich 1846 in Dresden gehört und seitdem in der Presse unermüdlich dem Hofoperntheater empfohlen hatte, gelangte erst im Jahre 1859 daselbst zur Aufführung. Zwei Jahre vorher hatte ein Vorstadt-Direktor den Tannhäuser in einem bretternen Sommertheater ('Thaliatheater') gegeben, trotz der bescheidenen Mittel mit sehr gutem Erfolge. Nun machte der Direktor des Hofoperntheaters, Julius Cornet, sechs bis sieben Bittgesuche nacheinander an das Obersthofmeisteramt um die Erlaubnis, den Tannhäuser aufführen zu dürfen. Jedesmal wurde er mit dem Hinweis auf das 'unsittliche Textbuch' abgewiesen. Erst nach dem großen Erfolge des 'Lohengrin' gab man nach und erlaubte den Tannhäuser, aber nur mit einigen sehr merkwürdigen Änderungen im Texte. Die Zensur fühlte sich durch die reaktionäre Luft der fünfziger Jahre wieder gestärkt und begann ihr altes Spiel, das man, allzu sanguinisch, für immer beseitigt geglaubt.
Das Wort 'Rom' durfte in der Oper nicht vorkommen. Wie lächerlich klang es, wenn Wolfram im dritten Akte den Tannhäuser fragte: 'Warst du nicht d o r t?' und dieser erwiderte: 'Schweig mir von d o r t!' Noch etwas recht Komische ereignete sich in dieser Première. Man hatte in Wien die 'Tannhäuser-Parodie' früher kennengelernt als die Oper selbst. Abend für Abend stürmte das Publikum ins Carltheater, wo (mit Nestroy als Landgraf, Treumann als Tannhäuser) diese köstliche Travestie die Zuhörer erheiterte. Eine der drolligsten Szenen spielte der Komiker Knaack. Er saß als Hirtenknabe' auf einem entlaubten Baume, sang oder meckerte vielmehr das Mailied und blies das Ritornell anstatt auf der Oboe auf dem Fagott. Die Wirkung war unbeschreiblich. Als nun in der ersten Aufführung des wirklichen 'Tannhäuser' im Operntheater der Hirtenknabe auf dem Hügel sein Mailied anstimmte, ging eine schwer zu bändigende Heiterkeit durch das ganze Haus. Alles musste an Knaack und sein impertinentes Fagott denken. Der treffliche Stuttgarter Tenorist Grimminger, welcher den Tannhäuser sang, ging in stummem Spiel auf der Bühne hin und her und besah sich, immer unruhiger und verlegener, von oben bis unten, in der Meinung, irgend ein lächerlicher Verstoß in seiner Toilette sei die Ursache der allgemeinen Heiterkeit. Dies alles vernahm Wagner mit Interesse (...)"
Eduard Hanslick, Aus meinem Leben, Berlin 1911, zit. n.: Johann Nestroy, historisch-kritische Ausgabe, a.a.O.
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