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Amphitryon kommt – und ist schon da gewesen: Das hat sich der Feldherr freilich anders vorgestellt.
Da kommt er nach gewonnener Schlacht und nach langen Monaten zurück nach
Hause und seine geliebte Frau meint nur: „So früh zurück- ?“
Nichts ist es mit der großen Wiedersehensfreude, die Amphitryon doch meint verdient zu
haben. Während Alkmene gar nicht verstehen kann, dass ihr Göttergatte böse auf sie ist, hat
sie ihn doch schon in der Nacht davor gesehen und gebührend empfangen. Zum Beweis
kann sie ihm auch das Diadem des Labdakos vorlegen, das er ihr in der Nacht geschenkt
habe. Doch ACH: Anstelle des „A“s für Amphitryon ist ein „J“ im Diadem eingraviert. Und das
steht, wie sich bald herausstellen wird, für den Göttervater selbst, für Jupiter. Er hat – in der
Gestalt Amphitryons – Alkmene in der Nacht davor besucht. Gemeinsam mit Merkur hat er
damit unter den Menschen große Verwirrung angerichtet. Denn wen nun liebt Alkmene? Den
Amphitryon oder doch eher Jupiter und was ist mit Amphitryons Diener Sosias, der sich sich
selbst gegenüber stehen sieht und vollkommen verwirrt ist, wer er denn nun ist, wenn er da
schon steht. Tatsächlich ist es natürlich Merkur, der sich diesen Spaß mit ihm erlaubt hat und
Sosias damit in eine Identitätskrise stürzt.
Heinrich von Kleist (1777 - 1811) wollte zunächst den Amphitryon von Molière nur übersetzen.
Doch entstanden ist ein ganz eigenständiges Stück, dem Kleist eine neue Wendung gegeben
hat. Bei ihm ist Amphitryon weit mehr als eine bloße Verwechslungskomödie. Es geht
um Macht und um Manipulation, um Sein und Bewusstsein, es geht um Identitätsverlust und
um Ideale - und nicht zuletzt geht es um das schönste „Ach“ in der Weltliteratur.
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