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Der Besuch einer Holocaust-Überlebenden
wurde angekündigt, doch die Klasse wartet vergebens.
Stattdessen betritt eine nervöse junge
Frau das Klassenzimmer, die sich als die Enkelin
der Zeitzeugin vorstellt. Da die ältere Dame zu
lange auf sich warten lässt, übernimmt Mary
Ann, zunächst zögerlich, Esthers Aufgabe und
erzählt ihren Altersgenossen vom Leben und
Überleben ihrer „Granny“. Sie erzählt von Esthers
Kindheit und Jugend in Deutschland, von
ihrem Schicksal als KZ-Gefangene, von ihrem
Überleben und ihrer Emigration nach Amerika.
Mary Ann spricht mit großem Respekt von ihrer
Großmutter, aber auch mit der staunenden Verwunderung
der Enkel-Generation, für die Vieles
aus der Zeit des Dritten Reiches unvorstellbar
erscheinen muss. So nimmt sie auch alltägliche
Geschichten in den Blick und zieht immer
wieder konkrete Vergleiche heran, um sich die
damalige Situation zu vergegenwärtigen. Christiane
Richers nutzt die Perspektive der jungen
Zuschauer, um Esthers Geschichte lebendig
werden zu lassen und unweigerlich zur Diskussion
anzuregen. Das Stück thematisiert die
Vergänglichkeit von Zeitzeugenschaft und stellt
die Frage, wie Erinnerung stattfinden kann.
Unnötig zu sagen, dass Esther nicht mehr kommen
wird. Mary Ann hinterlässt der Klasse eine
ganze Lebensgeschichte: „Das ist Esther“..
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